Antibiotikaprophylaxe

Antibiotikaprophylaxe

Wahl des Antibiotikums

  • Abhängig von Eingriff und lokaler Resistenzlage, weitgehend standardisiert
  • Die Wahl erfolgt durch den Operateur und ist auf dem OP-Programm vermerkt
  • Ausnahmen können sich bei Patienten ergeben , die schon mehrere Eingriffen mit Prophylaxegaben hinter sich haben oder die unter einer Antibiotikatherapie stehen
  • Hier wird die Rücksprache mit dem Dienstarzt Infektiologie 97-1701 empfohlen
  • Antibiotika-Stewardship

Zeitpunkt der Verabreichung

Verabreichung innerhalb von 60 min vor OP-Beginn, idealerweise 10-30 min vor Schnitt
  • Der Zeitpunkt der Antibiotikagabe ist entscheidend für die Wirksamkeit, da zum Zeitpunkt des OP-Beginns genügend hohe Blut- und Gewebespiegel des Antibiotikums vorhanden sein müssen
  • Verabreichung >60 min vor Schnitt oder erst nach OP-Beginn reduziert die Wirksamkeit der Prophylaxe

Spezialfälle

Vorbestehende empirische oder gezielte Antibiotikatherapie

  • Unabhängig von der Zeit der letzten Dosis wird innerhalb von 60 min präoperativ eine zusätzliche Dosis verabreicht
Ausnahmen: Gentamicin (Garamycin), Vancomycin bei Niereninsuffizienz: Rücksprache Dienstarzt Infektiologie 97-1701

Verzögerter OP-Beginn

  • Die perioperative Dosis wurde bei Narkoseeinleitung verabreicht, der Start der Operation verzögert sich aber auf >60 min: Hier ist eine zusätzliche Dosis kurz vor OP-Beginn zu verabreichen
Ausnahmen: Gentamicin und Vancomycin siehe oben

Zwei Eingriffe innerhalb einer Operation

  • Erfolgen unter einer Operation zwei Eingriffe mit unterschiedlichen Zugängen, ist vor dem Zweiteingriff eine erneute Antibiotikaprophylaxe indiziert

Endurologische Eingriffe mit Bakteriämie

  • Vor endurologischen Eingriffen mit Bakteriurie soll eine gezielte Therapie durchgeführt werden

Blutsperre

  • Das Anlegen einer Blutsperre nach Verabreichung des Antibiotikums scheint keinen negativen Effekt zu haben
  • Die minimale Hemmkonzentration für die wichtigsten Keime bleibt im Gewebe erhalten
  • Es ist nicht absolut zwingend, dass die ganze Antibiotikainfusion vor Anlage des Tourniquet verabreicht wurde

Intraoperative Dosierung Antibiotikum

  • Intraoperative Dosierung und Nachdosierung Antibiotikum bei langer OP-Dauer

Antibiotikum Dosierung
< 80 kg
Dosierung
81-120 kg
Dosierung
> 120 kg
Zeitpunkt der Nachdosierung bei normaler Nierenfunktion Zeitpunkt der Nachdosierung bei Cretinin-Clearance 20-50 ml/min Zeitpunkt der Nachdosierung bei Cretinin-Clearance   < 20 ml/min
Augmentin (Amoxicillin /Clavulansäure) 2.2gr
(Erste Dosis unabhängig von Nierenfunktion)
2.2gr
(Erste Dosis unabhängig von Nierenfunktion)
2.2gr
(Erste Dosis unabhängig von Nierenfunktion)
4h nach der ersten AB-Gabe
(2.2gr)
4h nach der ersten AB-Gabe
(CAVE: 1.2gr)
4h nach der ersten AB-Gabe
(CAVE: 1.2gr)
Ciproxin (Ciprofloxacin) 400mg 400mg 400mg 8h nach der ersten AB- Gabe 12h nach der ersten AB- Gabe Keine Wiederholung
Dalacin (Clindamycin) 600mg 900mg 900mg 6h nach der ersten AB- Gabe 6h nach der ersten AB- Gabe 6h nach der ersten AB- Gabe
Gentamycin 5mg/kg 480mg 560mg Keine Wiederholung Keine Wiederholung Keine Wiederholung
Kefzol (Cefazolin) 2gr. 2gr. 3gr. 4h nach der ersten AB-Gabe 8h nach der ersten AB- Gabe 16h nach der ersten AB- Gabe
Metronidazol 500mg 1000mg 1000mg 8h nach der ersten AB- Gabe 8h nach der ersten AB- Gabe 8h nach der ersten AB- Gabe
Vancomycin 20mg/kg 20mg/kg
(max. 2500mg)
20mg/kg
(max. 3000mg)
8h nach der ersten AB- Gabe 16h nach der ersten AB- Gabe Keine Wiederholung
Zinacef (Cefuroxime) 1.5gr. 3gr. 3gr. 4h nach der ersten AB- Gabe 6h nach der ersten AB- Gabe 12h nach der ersten AB- Gabe
Bactrim (Cotrimoxazol) 2 Ampullen
à (80/400 mg)
2 Ampullen
à (80/400 mg)
3 Ampullen
à (80/400 mg)
Keine Wiederholung Keine Wiederholung Keine Wiederholung

Nach Laurence Senn (Lausanne), Danielle Vuichard (Basel), Andreas Widmer (Basel), Giorgio Zanetti (Lausanne), Stefan Kuster (Zürich)“Aktualisierte Empfehlungen zur perioperativen Antibiotikatherapie in der Schweiz, 2015″ swissnoso Band 20, No 1,

Beispiel Nachdosierung Kefzol

Quellen

  • Dr. med. M. Rossi, Chefarzt Infektiologie LUKS
  • Laurence Senn (Lausanne), Danielle Vuichard (Basel), Andreas Widmer (Basel), Giorgio Zanetti (Lausanne), Stefan Kuster (Zürich)“Aktualisierte Empfehlungen zur perioperativen Antibiotikatherapie in der Schweiz, 2015″ swissnoso Band 20, No 1

Links

Antibiotika Stewardship LUKS

Mitwirkende Autor/innen

Verantwortlicher Author
Dr. med. Peter Christen
Co-Chefarzt Anästhesie