NovoSeven®-Gabe in diesem Setting ist „off label use“ (Stand 2019)
Blutung unter Gerinnungshemmern
DOAK (Direkte orale Antikoagulantien)
DOAK-Spiegel
Massnahmen
< 30ng/ml
OP und neuraxiale Punktion unbedenklich
30 – 100ng/ml
Dringende OP möglich mit PCC i.R. oder 12h warten + Labor wiederholen
100 – 200ng/ml
Dringende OP möglich mit PCC i.R. oder 12-24h warten + Labor wiederholen
>200ng/ml
Notfall OP möglich mit PCC i.R.
Bei Hüftfraktur unter DOAC steigt die Mortalität durch den OP-Delay um 1.8%/h Bei Hüftfraktur unter DOAC kommt es im Schnitt zu einem OP-Delay um den Faktor 3
LUKS: Bei DOAK Spiegel >100ng/ml OP tagsüber und durch erfahrenes Team möglich (Chirurgie + Anästhesie) Gabe von 1g TXA fix, Fibrinogen gemäss Rotem, 1’000E PCC bei Blutung Keine Antagonisierung bei fehlender Klinik (Blutung)!
Leichte intraoperative Blutung unter DOAK
Schwere intraoperative Blutung unter DOAK
Lokale Massnahmen Ev. 1g Tranexamsäure Ev. Desmopressin (Minirin®) 0.3µ/kg
1g hebt Plasmakonzentration um 0.3g/l bzw. Fibtem-MCF um 2mm
Tranexamsäure
Vorsicht bei
Prothrombotischem Risikoprofil
Einem zeitlichen Zusammenhang mit jüngeren Blutungsereignissen
Bekannter Epilepsie
Thrombozythenkonzentrat
1 Thrombozythenkonzentrat hebt ↑Tc um 20-30’000/mm³ (20-20 G/L)
Es gibt keine Evidenz für Tc-Gabe > 10’000/mm³ bei fehlender Klinik (Prophylaxe)
Zunehmende Hinweise dass bei Tc-Gabe > 30’000/mm³ Schaden > Nutzen
15min nach Faktoren- oder Tc-Gabe soll ein Kontroll-Rotem durchgeführt werden
Prothrombinkomplexkonzentrat PCC (Beriplex®):
PCC (Beriplex®) ist thrombogen (Thrombin kummuliert: t½ 40-60h) → nur minimal geben
Dosis >25E/kg PCC bringt keinen weiteren Nutzen!
PCC 12.5E/kg + TXA + Fibrinogen ist etwa gleich wirksam wie PCC 25E/kg bzw. 50E/kg alleine
Kombination ist effektiver und benötigt deutlich geringere Dosis (↓Thrombosegefahr) (ESAIC-Guidelines Empfehlung bei schwerer perioperativer Blutung trotz fehlender Zulassung)
Aptem: nur bei Hyperfibrinolyse-Möglichkeit (Schockraum, peripartale Blutung, …)
Heptem: nur wenn Liquemin-Wirkung vorhanden (ev. IPS-Patient, Herzanästhesie)
Thrombinzeit TT: Ausschluss IIa-Hemmer (Pradaxa®) im Schockraum
anti-Xa: Ausschluss Xa-Hemmer (Xarelto®, Eliquis®, Lixiana®) + Heparin im Schockraum
Faktor V: Faktormangel oder Leberinsuffizienz (einzige Indikation für FFP-Gabe)
DOAK’s: aPTT + Quick normal, dann ist Notfall-OP möglich (nur noch wenig Wirkstoff). Rivaroxaban/Apixaban-Spiegel ~anti-Xa-Aktivität x100
Tc-Funktionstests:Wurden nur für Medikamenten-Therapiekontrollen entwickelt, nicht für Fragestellung bzgl. perioperativer Blutung und kommen deswegen im Algorithmus nicht vor
Cellsaver
Sectio: Nur noch eine Sugi anwenden (Blut + Fruchtwasser). Routineeinsatz bei PPH-Risiko Patientin
Bakterielle Kontamination: Risikoabwägung Cellsaver + Antibiotika versus Fremd-Ec spricht klar für Einsatz. Bei Elektiveingriff Patient aufklären. Bei purem Eiter andere Sugi nehmen.
Tumor: Bestrahlen der gewaschenen Ec vor Gabe wünschenswert aber nicht mehr zwingend notwendig
LMWH: Protamin (anti-II + 50% F Xa- Wkg.): 5’000E wenn < 8h bzw. 2’500E wenn > 8h oder PCC-Gabe
COX-1-Hemmer: ASS (irreversibel) nach 5d 50% Tc-Fkt. // NSAR (reversibel) nach 24h 100% Tc-Fkt
ADP-Antagonist hemmt auch transfundierte Tc: Plavix®/Efient® (irrevervibler ADP-Antagonist) nach 12h noch aktive Substanz im Blut // Brilique® (reversibler ADP-Antagonist) nach 24h noch 50% aktive Substanz im Blut!
Xarelto®/Eliquis®/Lixiana®: Bei schweren Blutungen 25 E/kg PCC (Beriplex®) ausreichend, in Kombination mit Tranexamsäure + Fibrinogen noch viel effektiver (↓Dosis nötig = ↓Thromboserisiko)
Quellen
Maegele M: Tranexamic acid in endoprothesis Dtsch Aerzteblatt Int 2017;114 114:822-3 / Goldstein et al: Tranexamic acid prophylaxis in hip and knee joint replacement. Dtsch Arzteblatt Int 2017;114: 824-30 / Klein AA: Assosiation of Anaesthetists guidelines: cell salvage for peri-operative blood conservation. Anaesthesia 2018 Sep;73(9):1141-1150