Beachte die Änderung in der Präparation und die höhere Konzentration von Agilus
01. Juni 2026
Dr. med. Christian Salis
Oberarzt mbF Anästhesie
Maligne Hyperthermie
Vorgehen im Notfall
Definition
Die maligne Hyperthermie ist eine sehr seltene lebensbedrohliche Erkrankung, die als Komplikation einer Narkose (Allgemeinanästhesie) in Erscheinung tritt
Ursache
Durch die Verabreichung von auslösenden Substanzen (Triggern) wird bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Stoffwechselentgleisung in der Skelettmuskulatur verursacht
Inzidenz: 1:2000- 1:3000 (Häufiger als bisher angenommen)
Häufigeres Auftreten in gewissen Regionen der Schweiz
Vererbung: autosomal dominant
Erstmaliges Auftreten auch erst nach mehreren unauffälligen Expositionen möglich
Triggersubstanzen
Alle volatilen Inhalationsanästhetika (inklusive Aether) und Penthrox (Methoxyflurane)
Succinylcholin
Stress und Schmerz
Assoziierte Muskelerkrankungen
Myopathien mit Mutationen im Ryanodinrezeptor, sind für eine maligne Hyperthermie gefährdet und müssen als MH empfindlich betrachtet werden
Central core disease (CCD)
Multi minicore disease (MmD)
King Denborough Syndrom
Nemaline Myopathie
Frühzeichen
Warme Haut
Ausgeprägtes Schwitzen
Tachykardie
Herzrhythmusstörungen
Blutdruckschwankungen
Fleckenförmige Hautveränderung
Symptome
Massiver Anstig von Kohlenstoffdioxid (CO2) bis um das 2-Fache
Massiver Anstieg von Calzium in der Muskelzelle (Dauerkontraktion der Muskelzellen)
Temperaturanstieg innert Minuten um mehrere Grade (bis 43° C)
Muskelsteife (Rigor) der quergestreiften Muskulatur unmittelbar nach der Injektion
Herzrasen
Masseterspasmus (Cave Intubation)
Diagnose
Hyperkapnie (Anstieg des etCO2)
Tachykardie
Tachypnoe bei Spontanatmung
Muskelsteife (Rigor)
Metabolische- und respiratorische Azidose
Fieber
Therapie
Call for help!
Triggersubstanzen sofort absetzen > wechseln auf TIVA
Verdampfer entfernen
Patient mit 100% Sauerstoff beatmen und hyperventilieren. Flow über 10 l / min
Atemkalk entfernen
Beatmungsschläuche auswechseln
Aktivkohlefilter (Vapor-Clean®) einbauen (Standort Umbettraum 1 EG Spitalzentrum beim Dantrolen)
Flow weiterhin über 10 l / min
Azidose korrigieren mit Natriumbicarbonat
Gegen Hyperkaliämie: 200 ml Glucose 20% mit 20 IE Insulin über 20 Min. infundieren
Extern Kühlen
Labor abnehmen: ABGA und venöse BGA, Laktat, CK, Transaminasen, Elektrolyte, Myoglobin im Urin
Dantrolen-Natrium
Aktuell sind zwei Rezepturen von Dantrolen-Natrium vorhanden: Dantrolen® und Agilus® Beachte die unterschiedliche Konzentration und Anmischung Agilus® wird Dantrolen® im Verlauf ablösen
Agilus®
Präparation
6 Flaschen pro Schachtel
Agilus® vorbereiten: 1 Flasche Agilus® = 120mg mit 20ml Aqua destillata auflösen und OHNE FILTER aufziehen
Konzentration der Lösung 5.3mg/ml in 22.6ml (Rekonstitutionslösung)
Dosierung
Agilus® als Bolus 2,5 mg/kg KG Nach 10 Minuten wiederholen falls keine Besserung
Gesamtdosis: 10-20 mg/kg KG/24h
Dantrolen®
Dantrolen® vorbereiten: 1 Flasche Dantrolen = 20mg mit 60ml Aqua dest. auflösen und MIT FILTER aufziehen.
Konzentration der Lösung 0.33mg/ml
Dantrolen® als Schnellinfusion: 2,5 mg/kg KG
Gesamtdosis: 10-20 mg/kg KG/24h
Komplikationen
Rhabdomyolyse
Nierenversagen
Intravasale Gerinnungsstörungen
Lungenödem
Standort Dantrolen und MH-Filter
Dantrolen-Natrium und MH-Filter (Vapor-Clean®) sind im Umbettraum1 EG Spitalzentrum gelagert
MH-Filter
Mittels Aktivkohlefilter (Vapor-Clean®) können bei einem MH-Ereignis die Inhalationsanästhetika-Konzentrationen rascher gesenkt werden.
Arbeitsplatzvorbereitung bei bekannter MH
Es ist stets eine High-Flow Anästhesie mit 10 Litern / min erforderlich um eine potenzielle Rückatmung von Inhalationsanästhetika zu vermeiden