Zentralvenöse Katheter bei hämatologischen Patienten

Zentralvenöse Katheter bei hämatologischen Patienten

Allgemeines

  • Hämatologische Patienten benötigen oftmals einen zentralvenösen Katheter (ZVK) für die Durchführung unterschiedlicher Therapien
  • Die Einlage des zentralvenösen Katheters erfolgt durch die Ärzte der Anästhesie
  • Die Wahl der Art des Katheters und Zugangswegs hängen von der Indikation, insbesondere des Umfangs der geplanten Therapie und der vorgesehenen Liegedauer ab
  • Zusätzlich berücksichtigt werden die klinische Situation des Patienten, die Hämostase (Thrombozytenzahl, plasmatische Gerinnung, Medikamente mit Einfluss auf Thrombozytenfunktion oder plasmatische Gerinnung) und die Erfahrung des Punktierenden

Minimale Punktionsvoraussetzungen

Voraussetzung für eine Katheter-Einlage in die V. subclavia ist ein Thrombozytenwert ≥ 30 G/l und eine im Übrigen korrigierte Gerinnung
Falls diese Voraussetzung nicht erfüllt werden (können) und dennoch eine Subclavia-Einlage eines zentralvenösen Katheters in die V. subclavia bevorzugt wird, muss immer eine direkte Rücksprache zwischen dem hämatologischen Kaderarzt und dem Anästhesisten, welcher den ZVK legt, erfolgen
Bei Differenzen entscheidet derjenige, der punktiert

Organisatorisches Vorgehen

  • Die Anmeldung für eine Katheter-Einlage erfolgt i.d.R. durch den Stationsarzt so früh wie möglich telefonisch an den Dienstarzt der Anästhesie (Tel. 97 1501)

  • Gleichzeitig erfolgt die Verordnung im LUKIS

Der Anrufer informiert den Anästhesisten über die klinische Situation des Patienten, die Indikation für den zentralvenösen Katheter, die Katheterart und den bevorzugten Punktionsort

Anmeldungsinformationen

  • Patientenname, Vorname und Geburtsdatum
  • Diagnose (Kurzdiagnose genügt).
  • Indikation für ZVK-Einlage, inkl. voraussichtlicher Liegedauer
  • Angaben zum Typ des gewünschten ZVK (konventioneller ZVK 1-3-lumig, Dialyse-Katheter)
  • Angaben zum bevorzugten Ort der Katheter-Einlage
  • Aktuelle Blutwerte und Gerinnungssituation (Thrombozytenzahl, INR)
  • Angaben über Hämostase-beeinflussende Medikation
  • Liqueminschloss oder direkte Inbetriebnahme
  • Zuständiger Kaderarzt (Verantwortlicher Hämatologe oder OA Medizin mit Name, Vorname und Sucher-Nr.)

Einlage

  • Die Anästhesie bietet den Patienten für die Katheter-Einlage auf
  • Der Anästhesist, welcher die Katheter-Einlage durchführt, meldet sich bei Rückfragen oder zur Diskussion einer Änderung des Vorgehens bei dem für den Patienten verantwortlichen Kaderarzt

Kathetertypen und bevorzugter Zugangswege

Aplasierende Chemotherapie

  • ≥ 1 Woche Chemotherapie, gefolgt von ca. 3 Wochen Hospitalisation wegen Toxizität und Aplasie
  • 3-lumiger Katheter bevorzugt in V. subclavia

Konventionelle Chemotherapie

  • In der Regel < 1 Woche Therapie, Entlassung nach Abschluss der Chemotherapie geplant
  • 2-3-lumig V. subclavia oder V. jugularis
  • Port-à-Cath-Einlage oder PICC (Peripherally Inserted Central Venous Catheter) individuell evaluieren (je nach Art der Therapie, Anzahl Zyklen und weiterer Behandlung)

ZVK für andere klinische Situationen

  • Z.B. keine geeigneten peripheren Venen für intravenöse Therapie, längere venentoxische Antibiotika-Therapie oder andere Behandlungen
  • 1-3-lumiger Katheter, V. subclavia oder V. jugularis (je nach Dauer der Therapie, klinischer Gesamtsituation, anatomischen Verhältnissen und Hämostase).
  • Port-à-Cath-Einlage oder PICC individuell evaluieren (je nach Therapie und Dauer)

Plasmapherese

  • Meist 1 (-2) Wochen, selten länger
  • 2-lumiger Apherese-Katheter (Dialyse-Katheter) V. subclavia oder V. jugularis (bei Dialysebedarf Absprache zwischen Hämatologie und Nephrologie).
  • Einlage eines tunnelierten Dialyse-Katheters im Einzelfall erwägen (bei längerer Therapie)

Sammlung von autologen Stammzellen

  • 1-2 Tage
  • 2-lumiger Apherese-Katheter (Dialyse-Katheter), V. femoralis

Liqueminschloss

  • Falls ein Abstöpseln  notwendig ist, soll dies mit Heparin 5000 E / ml erfolgen. Bitte dazu die auf den Kathetern notierte Füllmenge genau beachten
  • Selbstverständlich muss das Heparin vor der Wiederinbetriebnahme des Katheters sorgfältig aspiriert werden
Mitwirkende Autor/innen

Verantwortlicher Author
Dr. med. Peter Christen
Co-Chefarzt Anästhesie