ERCP (Endoskopisch-Retrograde-Cholangio-Pankreatikographie)

ERCP (Endoskopisch-Retrograde-Cholangio-Pankreatikographie)

Eingriffsspezifische Besonderheiten

  • Bei diesem endoskopischen Verfahren werden die Papilla duodeni major, der Ductus choledochus und der Ductus pancreaticus dargestellt und untersucht
  • Die Darstellung erfolgt mittels Injektion von Röntgenkontrastmittel unter Durchleuchten am C-Bogen
  • Bei Bedarf kann über das Endoskop ein Papillotom eingeführt und so die Papille durch einen Schnitt erweitert werden
  • Bei Bedarf kann mittels einer Bürste Biopsiematerial gewonnen werden

Eingriffe

  • Elektiv: Diagnostik bei rezidivierender Pankreatitis oder Raumforderung
  • Semielektiv: Choledocholithiasis
  • Notfall: Lithogene biliäre Pankreatitis

Anästhesieverfahren

  • LA-Standby
  • Alternativ ITN (Entscheid OA Anästhesie)

Benötigtes Material

  • Getesteter Respirator und Absaugeinheit
  • Weisse Zone Narkosewagen vom EG mit vorgerichteten Standardmedikamenten
  • RF 500ml oder 1000ml mit Verlängerung und 2 Dreiwegehahnen
  • Nalbuphin (Nubain®) 2mg/ml
  • Propofolperfusor (50ml mit 5ml Lidocain 1%)
  • O2/CO2-Nasenbrille

Lagerung für LAS und ITN

  • Bauchlage
  • Kopf nach rechts
  • Rechter Arm angelagert und Fixiert
  • Linker Arm auf Armbank

Anästhesieführung LA-Standby

Präoperativ

  • Standartmonitoring (erweitertes Monitoring bei Bedarf)
  • Venöser Zugang (Infusion mit Verlängerung und Rückschlagventil)
  • O2/CO2-Nasenbrille zur Monitorisierung an Respirator anschliessen
  • Sauerstoff mit 4Liter/min

Intraoperativ

  • Antiemese mit Dexamethason und Ondansetron bei fehlender Kontraindikation
  • Propofolperfusor intravenös starten mit 1-2mg/kg KG (nach Bedarf steigern)
  • Propofol-Boli 10mg-weise i.v.
  • Nalbuphin intravenös in Einzeldosen von 2mg (1ml) bis max. 20mg (Papillotomie und Steinextraktion sind schmerzhaft!)
  • Alternativ Remifentanyl-Perfusor
  • Oral Mundstück (Beissschutz) einsetzten
  • Gastroskop einführen (bei Bedarf Esmarch Handgriff zur erleichterten Einführung)
  • Persönliche Schutzausrüstung und mobile Röntgenschutzwand gegen Rx-Strahlung
  • Bei Bedarf Gabe von Glucagon zur Motilitätshemmung im Gastrointestinaltrakt (in der Regel 1/2 Ampulle Glucagon = 0.5mg intravenös) Verordnung durch Gastroenterologen
Antagonistische Wirkung am mü-Opiatrezeptor bei Opiat-gewohnten Patienten kann zu akuten Entzugssymptomen führen (Schmerzpatienten mit Transdermalen Fentanylpflastern oder Patienten unter Methadon)
Obwohl Glucagon über eine Freisetzung von Glucose aus den Glykogenspeichern die Blutglukose erhöht, kann es bei nüchternen Patienten (leere Glykogenspeicher) zu Hypoglykämien kommen

Postoperativ

  • Voltaren supp nach Verordnung durch die Gastroenterolgie
  • Überwachung im AWR
  • Kost gemäss Gastroenterologie
  • Bei Einlage einer nasobilären Sonde ist eine tiefe Sedation für das Umlenkmanöver von oral zu nasal nötig
Mitwirkende Autor/innen

Verantwortlicher Author
Dr. med. Ivo Besmer
Leitender Arzt Anästhesie
Dr. med. Christian Salis
Oberarzt Anästhesie