Die Numerische Rating Skala (NRS) gilt als zuverlässigstes Instrument zur Erfassung der Schmerzstärke. Die Patienten werden gebeten anzugeben, wie stark ihre Schmerzen auf einer durchnummerierten Skala mit den Polen 0 (kein Schmerz) bis 10 (grösster vorstellbarer Schmerz) sind
Verbale Rating Skala (VRS) beschreibt sechs Schmerzstärken in Worten, aus denen die Patient/-in den zutreffenden Begriff auswählt. Die Differenzierung ist unpräziser als bei der NRS, weshalb die NRS zu bevorzugen ist
Die Visuelle Anlalogskala (VAS) ist die visuelle Darstellung der Schmerzintensität. Anhand des Abstands von Null (keine Schmerzen) zur aktuellen Schmerzeinschätzung wird die Schmerzintensität eingeschätzt
Reevaluation
Re-Assessment nach jeder Maßnahme (nach 30min) zur Schmerzlinderung
medikamentöse SchmerzkonzeptE
Diverse Organisationseinheiten verfügen über spezifische Schmerzkonzepte
Starke Schmerzzustände trotz intensiver Analgetikatherapie oder bei gut funktionierender Regionalanästhesie können auch andere Ursachen haben wie: Kompartmentsyndrom, Organperforation, Hämatom, Ileus, Infekt u.s.w.
Stand 16.12.2025
Opiat-Analgetika
Perioperativ werden Opiate ausschliesslich parenteral eintitriert, wobei Opiate mit wesentlich stärkerer Wirkung (im Vergleich zu Morphin) verabreicht werden
Um den individuellen Bedarf des Patienten postoperativ möglichst genau erfassen zu können, wird empfohlen, bei nicht-onkologischen Patienten möglichst ein und die gleiche Substanz zu verwenden und nicht verschiedene Opiatmedikamente zu kombinieren
Die meisten Präparate können als Opiat-Basismedikation in retardierter Form (kontinuierliche Abgabe des Medikamentes nach peroraler Einnahme in den nächsten 12 bis 24 Stunden) verordnet werden. Dazu gibt es für die meisten Opiate die Möglichkeit, Schmerzspitzen mit der gleichen, kurzwirksamen Form des Medikamentes in Form von Tabletten, Kapseln oder Tropfen/Lösung zu behandeln
Bewährt haben sich da vor allem die Medikation mit Targin (retardiertes Oxycodon mit Naloxon) sowie Oxynorm-Kapseln
Bei Operationen, nach welchen unmittelbar postoperativ mittlere bis starke Schmerzen zu erwarten sind, soll frühzeitig der Einsatz einer iv-PCA (Patient-controlled-Analgesia) erwogen werden
Atemdepression und Opiatmedikation
Ein Patient, der Schmerzen > NRS 3 äussert untersteht einem sehr geringem Risiko aufgrund einer gewichtsadaptierten, intravenösen Opiatgabe schon nach kurzer Zeit eine Atemdepression zu entwickeln
Generell besteht aufgrund von Ängsten und Vorbehalten in der Gabe von Opiaten eher die Gefahr, dass sie unterdosiert werden oder vielmehr noch zu wenig potente Opiate (z.B. Pethidin, Tramal) eingesetzt werden. (Vgl. dazu Tabelle Aequivalenzdosen von Opiaten)
Generell wird empfohlen von einer Schmerzreservemedikation mit Pethidin s.c. abzusehen (siehe auch: „Hinweis über die Applikationswege von Opiaten“)
Neben dem Umstand, dass Pethidin eine um den Faktor 10 geringere Wirkstärke zeigt, besitzen die Abbauprodukte (insbesondere der Metabolit Normeperidin) ein epileptogenes Potential
Weiter können durch die atropin-ähnliche Struktur kardiale Nebenwirkungen wie Tachykardien ausgelöst werden
Deshalb wird grundsätzlich der Einsatz von Pethidin nur noch empfohlen zur Therapie des postoperativen Shiverings
Weiter muss auch die Reservemedikation mit Tramal (Tropfen oder in retardierter Form) gut überdacht werden. Hier können Komplikationen auftreten in Kombination mit Psychopharmaka, insbesondere mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern, die bei u.a. bei Depressionen eingesetzt werden. Des Weiteren zeigt Tramal (ca. 20 Mal geringere Wirkstärke als Morphin) ein sehr hohes Nebenwirkungspotential
Opiatverordnung bei Niereninsuffizienz
Wie bei vielen anderen Medikamenten muss auch die Dosierung von Morphin bei eingeschränkter Nierenfunktion angepasst werden
Durch den Abbau von Morphin können aktive Metaboliten gebildet werden, die durch die verzögerte Ausscheidung länger im Körper aktiv bleiben
Bei Dialysepatienten wird Morphin nahezu vollständig eliminiert
Diesbezüglich ist bei Patienten mit einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz eine Therapie mit Fentanyl, Hydromophon oder Buprenorphin den anderen Opiaten vorzuziehen
Opiatüberdosierung
Als Primärsymptom bei einer beginnenden Opiatüberdosierung tritt eine Sedation ein
Erst nach Auftreten einer opiatinduzierten Sedation kann durch die Wirkung von Opiaten am Hirnstamm durch weitere Opiatgaben eine Atemdepression ausgelöst werden
In diesem Fall muss unverzüglich der Stationsarzt informiert werden
Vorsicht ist auch geboten bei Gabe von Opiaten bei Kreislaufinsuffizienz (systolischer Blutdruck geringer als 90mmHg)
Opiate können die Kreislaufstabilität zusätzlich negativ beeinflussen
Applikationswege von Opiaten, Aequivalenzdosen
Intravenöse Opiatgabe
Ziel einer intravenösen Opiatgabe ist es, durch den schnellen Wirkungseintritt eine rasche Schmerzlinderung zu erzielen
Nach intravenöser Gabe von Morphin ist dies innerhalb von einigen Minuten zu erwarten bis auch die Rezeptoren im ZNS durch das Medikament besetzt sein werden
Empfehlenswert ist die 5-10 minütliche, repetitive Gabe von kleinen Mengen von Morphin, um das gewünschte Schmerzniveau < NRS 3 zu erreichen
Zeitgleich mit der Schmerzreduktion soll auch das Auftreten von opiatinduzierten Nebenwirkungen (Übelkeit, Juckreiz, Sedation) beobachtet werden
Bei Auftreten von Nebenwirkungen soll der zuständige Arzt informiert werden
Neben einer vorübergehenden Sistierung der Opiatgabe soll dann der Wechsel auf ein Opiat mit ähnlicher Wirkstärke jedoch anderem Nebenwirkungsprofil in Betracht gezogen werden
Voraussetzung bleibt natürlich in solchen Situationen, dass die Basisanalgesie entsprechend ausgebaut ist
Bei akuten, starken Schmerzzuständen soll gemäss dem Konzept der iv-Verabreichung auf der Notfallstation auch auf den Stationen vorgegangen werden mit dem Unterschied, dass die IV-Verordnung von 2 bzw. 3mg Morphin iv alle 5min durch einen Arzt verordnet werden muss und die Besserung vom verordnenden Arzt auch kontrolliert werden soll. Im Bezug auf die Überwachung verweisen wir auf die Ausführungen über die pflegerischen Verrichtungen
Subkutane Opiatgabe
Grundsätzlich sollte die parenterale Gabe von Opiaten (primär iv-PCA oder auch die Eintitrierung i.v. z.B. im Aufwachraum aber auch starken Schmerzzuständen auf der Abteilung) angestrebt werden
Alternativ dazu empfiehlt sich die Gabe von peroralen Opiatpräparaten wie weiter oben erwähnt (retardierte Form als Basis sowie kurzwirksame Form für Schmerzspitzen)
Die subkutane Gabe von Opiaten ist von der Steuerbarkeit her grundsätzlich weniger empfehlenswert
Die Aufnahme der Opiate nach subkutaner Gabe ist abhängig von der Durchblutung des sehr individuell vorliegenden subkutanen Fettgewebes und deswegen sehr schlecht steuerbar
Weiter ist mit einem verzögerten Wirkeintritt zu rechnen, der einer peroralen Gabe gleichkommt
Bei repetitiven Gaben ist die Gefahr einer Überdosierung nicht unerheblich, wobei diese aufgrund des verzögerten Wirkungseintrittes erst nach einer gewissen Latenz auftreten wird
Zuletzt sind die hartnäckigsten Fälle mit einer Opiat-Abhängigkeit jene, die nicht nur eine physisch und psychische Abhängigkeit für die Substanz zeigen, sondern auch noch konditioniert (gewöhnt) sind auf den Stich der Spritze, welche ihnen die Schmerzen lindern wird
Perorale Opiatgabe
Sobald der Bewusstseinszustand, die Operation, die Schmerzstärke und der Patient im Allgemeinen es grundsätzlich für möglich halten, sollte auf eine perorale Gabe von Opiaten gewechselt werden
Die heute verfügbaren Präparate mit verzögertem Wirkungseintritt (sog. Retardierte Opiate) ermöglichen eine kontinuierliche, gut steuerbare, suffiziente Möglichkeit der Analgesie von leichten bis starken Schmerzen
Bei der Verordnung von retardierten Opiaten soll immer auch eine Reservemedikation verordnet werden
Sinnvollerweise soll zur vereinfachten Festlegung der Grunddosis des retardierten Opiates, das gleiche Medikament in kurzwirksamer Form als Reservemedikation verordnet bzw. verabreicht werden
So wären etwa die Kombinationen von MST (retardiertes Morphin) mit Morphin-Tropfen oder Targin-Tabletten in Kombination mit Oxynorm-Lösung zu erwähnen
Targin oder Oxycontin-Tabletten dürfen aufgrund ihrer Galenik nicht geteilt werden!
Transdermale Opiatgabe
Die transdermale Opiatgabe soll in der perioperativen Schmerztherapie eher zurückhaltend eingesetzt werden, ausser ein transdermales System wurde schon präoperativ zur Analgesie eingesetzt
In Erwägung zu ziehen ist eine solche Medikation bei Patienten, die an chronischen Schmerzen leiden und vor allem auch in palliativen Situationen bei onkologischen Patienten
In diesen Fällen sollen Opiate primär sehr grosszügig eingesetzt werden
Die transdermale Applikation gewährt dem Patient eine grössere Autonomie und leicht geringere Nebenwirkungen im Vergleich mit der peroralen und vor allem der intravenösen Gabe
Auch hier wird empfohlen, die Reservemedikation mit dem gleichen Medikament zu verordnen
Zu erwähnen wäre hier die Kombination von Transtec TTS (Bupenorphin) mit dem kurzwirksamen, sublingual applizierten Temgesic oder die Kombination von Fentanyl TTS mit dem sehr potenten und kurzwirksamen Fentanyl (z.B. Effentora)
Sedation und enge Pupillen wiederspiegeln die ZNS-Wirkung von Opiaten besser als die Messung der Atemfrequenz
I.V.-PCA (Patient-controlled-Analgesia)
Bei einer Versorgung mit einer iv-PCA mit Opiaten kann der Patient seine Analgesie nach Bedarf selbständig und autonom steuern
Wichtig dabei ist es, den Patienten vorgängig über die Funktionsweise dieser „Schmerzpumpe“ zu informieren
Je nach zu erwartender Schmerzintensität oder auch Nebenwirkungen können durch den verordnenden Arzt folgende Parameter gewählt werden: Opiat-Medikament, Dosis pro Bolus, zeitlicher Abstand zwischen den Boli sowie zusätzliche Beimischung eines Antiemetikums zur Vermeidung von Übelkeit und Erbrechen
Studien belegen, dass Patienten unter der Therapie mit einer iv-PCA über eine raschere und suffizientere Schmerztherapie berichten als jene Patienten, welchen die Medikamente auf Verlangen durch die Pflege/den Arzt verabreicht werden
In Situationen, wo der Patienten nicht fähig ist, die iv-PCA selber zu bedienen darf das Konzept nach entsprechender Verordnung und zwingender Rücksprache mit dem Arzt auch auf eine „iv-NCA“ (nurse-controlled-Analgesia) gewechselt werden
Dabei bedient die Pflege die iv-PCA aufgrund von subjektiven Hinweisen für anhaltende, starke Schmerzen z.B. bei einem nicht kooperativen Patient
Diese Möglichkeit Bedarf aber einer engmaschigeren Überwachung, da die Sicherheit nicht in gleichem Masse wie bei der Anwendung durch den Patienten selber gewährleistet ist
Unruhe ist keine Indikation für die Installation einer iv-PCA. Meistens wird Unruhe durch andere Gründe als Schmerzen verursacht. Zu denken wäre an Hypoxie, Verwirrtheitszustände, Harnverhalt, Angst, Delir u.a.m.
Neben der Versorgung mit einer iv-PCA sollen wenn immer möglich auch nichtmedikamentöse Verfahren (psychologische Begleitung, Physio-oder Ergotherapie u.a.m. ) in Betracht gezogen werden. Zudem ersetzt eine iv-PCA weder die Zeit noch die Zuwendung, die einem Patient grundsätzlich zusteht.
Eine iv-PCA kann von jedem Arzt, z.B. auch im Sinne einer Erstmassnahme vor einem Schmerzkonsil verordnet werden. Standard-Medikament bleibt die iv-PCA mit Morphin.
Vorhandene Medikamentenbeutel
Medikament
Dosierung (Bolus)
Lockout
Morphin
1mg oder 1.5mg
5min oder 7min
Fentanyl
20mcg oder 30 mcg
5min oder 7min
Morphin + Ketanest
1mg oder 1.5mg
5min oder 7min
Im Bezug auf die Programmierung und das Handling der iv-PCA auf den Stationen verweisen wir auf den entsprechenden Beitrag im Blaubuch der Pflege
CAVE: Hydromorphon PCA: Eine Anwendung einer Hydromorphon PCA ist am LUKS Luzern kein Standard. Indikationsstellung erfolgt durch die ärztlichen Verantwortlichen der Schmerztherapie Luzern. Eine Verschreibung einer solchen PCA benötigt daher eine direkte Arzt-Arzt Kommunikation und eine Überprüfung der Pumpeneinstellung und Füllung im Vier Augen Prinzip.
Nebenwirkungen von Opiaten
Die parenterale Gabe von Morphin geht in 30-40% mit Übelkeit und in rund 15-20% mit Erbrechen einher
Aus diesem Grund wird die Verordnung eines Antiemetikums zu einer iv-PCA grundsätzlich empfohlen
Es gelingt dadurch die Übelkeit bei ca. der Hälfte der Patienten zu reduzieren bzw. zu vermeiden
Weiter besteht aber auch die Möglichkeit das Opiat zu wechseln (z.B. von Morphin auf Fentanyl)
Mit einer guten Patientenaufklärung und –Information sollte vermieden werden, dass Patienten aus Angst vor Nebenwirkungen die PCA zu wenig bedienen und folgedessen unter stärkeren Schmerzen leiden
Voraussetzung auch hier ist natürlich eine entsprechend ausgebaute, multimodale Basisanalgesie
Aequivalenzdosen und Wertigkeiten
Bei der Gabe von morphinhaltigen Analgetika müssen zahlreiche Faktoren evaluiert werden
Folgende Faktoren spielen in der Wahl des Medikaments eine wichtige Rolle:
Allgemeinzustand/Komorbiditäten des Patienten (insbesondere Niereninsuffizienz)
Vorgängige Opiattherapie
Alter des Patienten
Schmerzursache und anzunehmende Dauer der Medikation
Im Wissen, dass die verschiedenen Opiate eine unterschiedliche Wirkstärke besitzen, ist es unabdingbar sich vor dem Einsatz eines Opiats Gedanken über die Aequivalenzdosis im Vergleich zur „Grundsubstanz“ Morphin zu machen
Wichtig ist die Kenntnis über die Aequivalenzdosen von Opiaten auch dann vor allem, wenn Opiate perioperativ umgestellt werden
Die aktuell im gebräuchlichsten Opiat-Präparate sind in der folgenden Tabelle (1) aufgelistet:
Regionalanästhesiologische Verfahren zur Schmerzlinderung sind wichtiger Bestandteil des multiodalen Konzepts der postoperativen Schmerztherapie
Mit den Möglichkeiten der regionalanästhesiologischen Verfahren kann neben einer verbesserten Schmerztherapie auch das Auftreten von unangenehmen Nebenwirkungen reduziert werden (verursacht z.B durch die systemisch wirksamen Schmerzmittel)
Mit der Regionalanästhesie werden rückenmarksnahe Verfahren (kontinuierliche Epiduralanalgesie, kontinuierliche Spinalanalgesie) bei Operationen im Thorax-, Abdomen-und Beckenbereich eingesetzt
Bei Operationen an Extremitäten (Schulter, Arme, Beine) kommen kontinuierliche Nervenblockaden (mit Kathetern) an einzelnen Nerven zum Einsatz
Basisanalgesie
Im Sinne des multimodalen Konzeptes soll die Basisanalgesie auch bei Anlage eines kontinuierlichen, regionalanästhesiologischen Verfahrens eingesetzt werden.
Regionalanästhesiologische Verfahren
Die Hauptwirkung bei regionalanästhesiologischen Verfahren über einen perioperativ eingelegten Katheter wird durch das abgegebene Lokalanästhetikum erreicht
Die dazu am häufigsten verwendete Substanz im LUKS ist Ropivacain
Intraoperativ werden für die Schmerztherapie hohe Konzentrationen eingesetzt (z.B. 0,375-0,5%), die nicht nur die sensiblen, sondern auch die motorischen Nervenfasern lähmen
Für die postoperative Analgesie kommen deutlich geringere Konzentration zum Einsatz (0,1-0,3%)
Durch diese geringere Konzentration kann meistens eine unerwünschte Bewegungseinschränkung vermieden werden (geringe bis keine motorische Blockade)
Bei Anlage von rückenmarksnahen Kathetern (im LUKS v.a. Epiduralkatheter) werden zur Verstärkung der analgetischen Wirkung auch noch Opiate (Fentanyl, Morphin) zugesetzt
Durch die direkte Wirkung auf Opiatrezeptoren im Rückenmark kann so der analgetische Effekt verstärkt werden
Dieser Effekt wird zu einem kleineren Teil über die lokale Wirkung am Rückenmark, zu einem deutlich grösseren Teil durch eine systemische Wirkung erzielt
Der postoperative Epiduralkatheter (epidural-PCA)
Die postoperative Analgesie mit einem Epiduralkatheter ist bei richtiger Punktionshöhe und korrekter Lage des Katheters der „Goldstandard“ der postoperativen Schmerztherapie bei einem überwiegenden Teil von grösseren Eingriffen im Bereich des Thorax und des Abdomens
Über die CADD Solis-Pumpe wird dem Patient kontinuierlich das Lokalanästhetikum (ev. mit zusätzlichem Opiat) abgegeben
Ähnlich wie bei der iv-PCA mit Opiaten (siehe Kapitel PCA) kann der Patient zusätzliche Boli anfordern
Im LUKS wird die epidurale Gabe von Medikamenten über einen Katheter als epidural-PCA bezeichnet
Im Verordnungs-Set von EPIC (LUKIS) findet man die Bezeichnung unter epidural-PCA (Luzern)
Die Wirkung epidural setzt nach Anforderung eines Bolus deutlich verzögert ein
Demzufolge ist auch ein längeres Pausenintervall (im Normalfall 30min) erforderlich
Die Dosierung einer epidural-PCA wird durch drei Zahlen angegeben: z.B. 6/3/30
1. Zahl: Anzahl ml der Medikamentenmischung pro Stunde 2. Zahl: Anzahl ml Bolus pro Anforderung 3. Zahl: Lockout-Zeit in min (Pausenintervall bis der nächste Bolus abgegeben wird)
Die Darstellung nur mit Zahlen vereinfacht die Dokumentation
Gemeint wäre im oberen Beispiel 6ml/h / 3ml pro Bolus / 30min Pausenintervall zwischen den Boli
Schmerztherapie über periphere Nervenkatheter
Die gebräuchlichsten und häufigsten kontinuierlichen Nervenkatheter werden in folgender Tabelle dargestellt im Bezug auf die Operationslokalisation und der dazugehörenden Nervenblockade:
Operationsgebiet
Nervenblockade
Fördermenge (ml/h)
Obere Extremitäten
6 ml/h
Schulter Proximaler Oberarm
INTERSKALENUSKATHETER Katheter an die Nerven des Plexus brachialis am Hals bei der Skalenuslücke
6 ml/h
Distaler Oberarm Ellbogen Vorderarm
SUPRA- ODER INFRAKLAVIKULÄRER PLEXUSKATHETER Katheter an den Plexus brachialis unmittelbar über oder unter dem Schlüsselbein
6 ml/h
Vorderarm Handgelenk Hand
PLEXUSKATHETER Katheter an den Plexus brachialis im Bereich der Achselhöhle
6 ml/h
Untere Extremitäten
8 ml/h
Hüfte Oberschenkel Knie
FEMORALISKATHETER Katheter an den Nervus femoralis in der Leiste
8 ml/h
Knie (Hinterseite), Unterschenkel bis Fuss
ISCHIADIKUSKATHETER Katheter an den Nervus Ischiadikus (auf Höhe des Gesässes, proximalen oder distalen Oberschenkels oder in der Kniekehle)
8 ml/h
Postoperativ wird das zur Schmerzlinderung eingesetzte Lokalanästhetikum ebenfalls über eine Schmerzpumpe CADD Solis abgegeben. Aktuelle Standardlösung ist Ropivacain 0.2%.
Praktische Hinweise im Umgang mit regionalanästhesiologischen Verfahren
Allgemeine Hinweise
Perkutane Katheter sind immer infektionsgefährdet
Eine sorgfältige Inspektion der Eintrittstelle des Katheters an der Haut sollte täglich durchgeführt werden (Rötung, Druckdolenz)
Um durch wiederholte Manipulationen/Verbandwechsel die Kontamination der Einstichstelle mit Keimen zu vermeiden, soll am ersten postoperativen Tag einmalig ein Verbandswechsel durchgeführt werden
Danach sollte nach Desinfektion und Entfettung der Haut die Einstichstelle mit einem durchsichtigen, sterilen Wundverband (Tegaderm) versehen werden
So bleibt die Eintrittsstelle jederzeit sichtbar und es müssen nach Möglichkeit keine weiteren Verbandswechsel mehr durchgeführt werden
Sollte nach der täglichen Visite durch das Team Schmerztherapie im Verlaufe des Tages dennoch eine Rötung, Schwellung oder Druckdolenz an der Einstichstelle festgestellt werden, ist unverzüglich der Dienstarzt Schmerztherapie (Tel 1510) in Kenntnis zu setzen
Dislokation Obwohl die perioperativ angelegten Nervenkatheter im Allgemeinen mit einer Naht fixiert werden, können sie durch Bewegung oder Zug unabsichtlich herausgezogen werden
Infektionsrisiko Das Infektionsrisiko bei liegenden Kathetern nimmt ab dem 3. postoperativen Tag exponentiell zu. Längere Verweildauern werden vom Team Schmerztherapie LUKS entsprechend verordnet und erfordern weiter engmaschige Kontrollen der Einstichstelle.
Sturzgefahr Werden Nervenkatheter zur Analgesie einer unteren Extremität eingesetzt (Eintrittstelle Leiste oder tiefer) besteht Sturzgefahr
Zuständigkeit Da die Kontrolle der Schmerzkatheter in den Verantwortungsbereich der Schmerztherapie LUKS gehört, sollen keine Schmerzkatheter ohne Rücksprache mit der Schmerztherapie LUKS gestoppt oder entfernt werden. Es besteht das Problem, dass bei fehlendem, kontinuierlichem Fluss der Katheter rasch verstopft und dann nicht mehr in Funktion gebracht werden kann. Weiter steigt auch das Infektionsrisiko weiter an.
Spezielle Hinweise zum Handling mit Epiduralkathetern:
Den standardmässig durch die Apotheke hergestellten Medikamentenlösungen für die Epiduralkatheter wird neben Bupivacain auch noch ein Opiat (meist Fentanyl) beigesetzt (siehe Einleitung Kapitel 5)
Da die Wirkung der Opiate zu 2/3 systemisch und nur zu 1/3 durch die lokale Rezeptorbesetzung bewirkt wird ist eine zusätzlichen Gabe von Opiaten bei Schmerzspitzen sehr vorsichtig abzuwägen.
Rückenschmerzen oder neu aufgetretene motorische Blockaden können Anzeichen sein für einen Abszess oder ein Hämatom auf Rückenmarksebene. In diesem Fall muss unverzüglich der Stationsarzt sowie der Pain-Dienst informiert werden.
Epiduralkatheter und Blutverdünnung Epiduralkatheter dürfen nur bei regelrechter Blutgerinnung entfernt werden. Die Katheter werden ausschliesslich durch das Team Schmerztherapie LUKS entfernt. Bei geplanter Entfernung des Epiduralkatheters ist es demzufolge wichtig, dass die Verordnungen der Schmerztherapie LUKS unbedingt umgesetzt werden (z.B. reduzierte Fragmin-Dosierung, Kontrolle der Gerinnungsparameter)
Unbeabsichtigtes Entfernen oder Herausrutschen des Katheters Ein akzidentell entfernter oder herausgerutschter Katheter wird mit einer Etikette des Patienten versehen. Der Vorfall wird dem Team Schmerztherapie LUKS gemeldet. Dieser führt eine weitere Pain-Visite durch und untersucht den Katheter auf dessen Vollständigkeit.
Ungenügende Schmerzkontrolle trotz Epiduralkatheter Neben einer möglicherweise zu geringen Dosierung müssen verschiedene weitere Punkte in Betracht gezogen werden. Zu den möglichen technischen Ursachen gehören:
Verschobene Katheterlage Defekte Medikamentenzufuhr (z.B. Pumpen-Dysfunktion, abgeknickter Katheter/Schlauch) Leck an den Verbindungsstücken zwischen Schlauch und Katheter Leck im Bereich des Bakterienfilters
Kann eine technische Ursache im Allgemeinen ausgeschlossen werden ist je nach Symptomatik des Patienten auch an eine operationsbedingte Komplikation zu denken, z.B. Abszessbildung, Peritonitis, Darmverschluss, Nahtinsuffizienz u.a.m.
Insuffiziente Zentrale/Periphere Nervenkatheter mit Schmerzexazerbation
Bei Verdacht auf “Fehllage” erwäge Einsatz von sogenannter “Testdosis”
Testdosis: Lidocain 2% + Adrenalin unter Monitoring zum Ausschluss einer intravasalen Lage
Zentrale Nervenkatheter / Epiduralkatheter
Aufspritzen entweder mit “Testdosis” Lidocain 2% + Adrenalin 2-5ml unter Monitoring (Ausschluss Fehllage!)
Alternativ Gabe eines Lokalanästhetikums in höherer Konzentration
Bei laufendem Bupivacian 0.125% + Fentanyl (Laufrate 6ml/h, Bolus 3ml alle 30 min) –> Gabe von 2-5ml Bupivacain 0.25% unter Monitoring
Bei laufendem Bupivacain 0.25% (Laufrate 5ml/h, Bolus 3ml alle 30 min) –> Gabe von 2-3ml Bupivacain 0.375% unter Monitoring
Pflegerische Verrichtungen
Überwachung des Patienten im Rahmen der postoperativen Schmerztherapie
Intravenöse Schmerztherapie (iv-Gabe und iv-PCA)
Schmerzerfassung Regelmässige Schmerzerfassung und Anpassung der Schmerztherapie gemäss Kapitel Schmerzerfassung
Gabe von Sauerstoff Eine Sauerstoffgabe bei Patienten mit einer intravenösen Opiat-Therapie postoperativ wird in den ersten 24h notwendig (2-4l nasal). Dadurch kann eine ungenügende Sauerstoffsättigung vor allem auch nachts vermieden werden. Weiter wird so auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Wundinfektionen gesenkt.
Praktische Hinweise Praktische Hinweise über die Funktion und das Handling mit iv-PCA sind dem Pflegehandbuch Chirurgie LUKS zu entnehmen.
Eine Opiatüberdosierung hat primär eine Sedation des Patienten zur Folge und führt erst sekundär zu einer Atemdepression
Epidurale Medikamentengabe (epidurale PCA)
Schmerzerfassung Eine regelmässige Schmerzerfassung soll gemäss Kapitel Schmerzerfassung durchgeführt werden. Bei ungenügender Analgesie kann die basale Flussrate um 1-3ml pro Stunde erhöht werden. Eine Rücksprache mit dem Dienstsarzt Schmerztherapie (Tel 1510) ist in diesem Fall zwingend erforderlich.
Sedation/Atemdepression Die Wahrscheinlichkeit für eine Atemdepression durch das epidural applizierte Morphin bzw. Fentanyl ist sehr gering. Bei liegendem Epiduralkatheter sowie epidural-PCA ist jedoch mit zusätzlichen Gaben von systemischen (iv.) Opiaten Vorsicht geboten. Grundsätzlich wäre eine verbesserte Analgesie durch Anpassung der epidural-PCA anzustreben. Sollte dies nicht innerhalb von 30 – 60min zu einer suffizienten Besserung führen, soll die stationäre Schmertherapie (Tel 1510) informiert werden.
Hypotonie/Blutdruckschwankungen
Bei Lageänderungen der Patienten kann es zu Blutdruckabfällen kommen. Durch eine Hypovolämie oder sehr ausgedehnter Ausbreitung der Wirkung können vermehrt Hypotonien auftreten. Als Sofortmassnahme werden Kopftieflage (für kurze Zeit) sowie die Gabe von Flüssigkeit (Ringerfundin/NaCl 0.9%) empfohlen.
Epiduralkatheter und intravenöser Zugang Grundsätzlich soll während der Versorgung mit einem Epiduralkatheter immer auch ein intravenöser Zugang (kann auch abgestöpselt werden)vorhanden sein (siehe vorangegangener Punkt). Bei längeren Liegedauern von Epiduralkathetern (z.B. onkologische Patienten, Rippenserienfrakturen o.ä.) wird durch das Team der Schmerztherapie entschieden, ob auf einen intravenösen Zugang verzichtet werden kann.
Komplikationen und Infektionen Auf der täglichen stationären Schmerz-Visite wird das Niveau der Ausbreitung der Blockade geprüft durch Testung der Sensibilität bzw. des Schmerzempfindens. Grundsätzlich wird die Kraft und Motorik meistens nicht beeinflusst. Sollten plötzlich erhebliche sensible oder motorische Defizite auftreten, soll die epidural-PCA unverzüglich gestoppt werden und der Dienstarzt Schmerztherapie informiert werden (Sucher Tel. intern 1510). Rückenschmerzen im Bereich der Katheteraustrittsstelle können ein Zeichen für eine beginnende Infektion darstellen und müssen deshalb ernst genommen werden. Der Dienstarzt Schmerztherapie muss ebenfalls umgehend informiert werden.
Management von Blasenkathetern bei liegendem Periduralkatheter Mit der frühzeitigen Entfernung von Blasenkathetern soll das Risiko eines Harnwegsinfektes vermindert und sekundär die Mobilität der Patienten forciert werden. Postoperativ haben Patienten mit einer epiduralen Analgesie einen Blasenkatheter. Eine epidurale Ausbreitung des Lokalanästhetikums in den Bereich der Becken-/Unterbauchregion wie auch die Gabe von Opiaten epidural kann zu Blasenentleerungsstörungen führen. So nicht anderweitig verordnet, kann der Blasenkatheter nach viszeralchirurgischen Eingriffen am 2. Tag postoperativ, bis spätestens 12 Uhr gezogen werden, sofern die Flussrate 6ml oder weniger beträgt und/oder der Patient bereits mobilisiert ist. (Fast-Track-Patientenausgenommen-> siehe separates Konzept im Blaubuch Pflege. So bei einer Flussrate von > 6 (also z.B. 9/3/30) das caudale Niveau nach Testung durch das Team Schmerztherapie LU im Bereich der thorakalen Segment liegt (bis Th12 und nicht tiefer) kann der DK gleichwohl entfernt werden. Die Folgen bei Infektionen durch zu lange liegende Blasenkatheter und damit assoziierten Infektionen sind wesentlich gravierender als die unangenehme Situation, einem Patient bei Miktionsproblemen ohne Katheter wieder einen Katheter legen zu müssen. Das Führen eines Miktionsprotokolls in den ersten 6 Stunden danach ist obligat, damit ein Harnverhalt oder eine Überlaufblase frühzeitig erkannt werden kann. Bei Zweifeln kann auch ein „Bladder-Scan“ (automatisierte Volumenbestimmung der Harnblase mittels Sonographie) durchgeführt werden, um eine Überlaufblase zu verifizieren. Bei thoraxchirurgischen Eingriffen kann optional der Blasenkatheter bereits am 1.postoperativen Tag gezogen werden, vorausgesetzt auch diese Patienten sind bereits mobilisiert. (dies betrifft, wenn überhaupt vor allem jene Patienten, die als erste auf dem OP-Programm operiert wurden und um die Mittagszeit schon wieder auf der Station sind. Auch bei diesen Fällen soll in den ersten 6 Stunden nach Entfernung ein Miktionsprotokoll geführt werden.
Blutverdünnung/Thromboseprophylaxe Sowohl für die Einlage wie auch das Entfernen eines Epiduralkatheters müssen die im Labor bestimmten Faktoren der Blutgerinnung (Thrombozyten, INR, anti-F-Xa) im Normbereich liegen. Wird eine umgehende Antikoagulation mit Marcoumar oder Fragmin/Liquemin notwendig, muss der Dienstarzt Schmerztherapie beigezogen werden. Weiter muss der Dienstarzt Schmerztherapie auch über Medikationen mit Thrombozytenaggregationshemmern (Aspirin, Plavix u.a.m., häufig von den Kardiologen verabreichten Medikamente) informiert werden. Der Katheter soll vor Beginn einer peroralen Dauermedikation entfernt werden.
Verbandwechsel/Wundhygiene
Verbandswechsel
Jegliche Verbandswechsel an epiduralen Kathetern sowie peripheren Nervenkathetern durch das Team Schmerztherapie LUKS durchgeführt. Gemäss Hygienerichtlinien dürfen diese durchsichtigen Verbände für 8 Tage belassen werden.
Sollte sich der Verband gelöst haben oder eingeblutet sein soll das Team Schmerztherapie LUKS informiert werden (Dienstarzt Tel intern 1510, Pain Nurse Tel intern 1432)
Durch den durchsichtigen Wundverband gelingt die Kontrolle der Katheter-Austrittsstelle einfacher. Bei plötzlicher Rötung oder Druckdolenz muss unverzüglich der Dienstarzt Schmerztherapie (Tel intern 1510) informiert werden.
An speziellen neuen Katheterbefestigungen, die möglicherweise auch im Bezug auf ihre Funktionalität getestet und vom Team Schmerztherapie LUKS evaluiert werden, sollen keine Manipulationen durch das Pflegepersonal der Stationen erfolgen
Der Katheter wird am Rücken neben den Dornfortsätzen entlang bis in die Schulterregion auf der Haut angeklebt
Das restliche Katheter-Stück von der Schulter bis und um den Filter wird beidseitig mit Transpore „geschient“
Der Filter wird an den vom Aufwachraum (AWR) konfektionierten Fixierungen mit Klettverschluss am Patientenbett oder den Kleidern/Spitalnachthemd fixiert
Bezüglich Wechsel von Beuteln und Besteck verweisen wir auf die Richtlinien im Blaubuch der Pflege
Verbandswechsel bei Epiduralkathetern Wundvebände, so es keine speziellen Fixationen sind, werden perioperativ mit Telfa, einer sterilen Gazekompresse und Mefix angelegt, da es initial häufig aus der Einstichstelle leicht bluten kann. Am ersten postoperativen Tag wird der Wundverband wenn immer möglich mit einem durchsichtigen Wundverband (Tegaderm) erneuert.
Exemplarischer Wundverband nach erstem Verbandwechsel auf der Station durch Schmerztherapie LUKS
Verbandswechsel bei peripheren Nervenkathetern
Ist am ersten postoperativen Tag der Wundverband blutig, soll ein Verbandswechsel durchgeführt werden. Der Wundverband soll mit IV3000/Tegaderm so angebracht werden, dass die Einstichstelle sichtbar bleibt, der Katheter mit einer Schlaufe zusätzlich unter dem Klebeverband befestigt wird. Ist der Wundverband bereits durchsichtig und nicht blutig, soll kein Verbandswechsel durchgeführt werden. Die Inspektion der Einstichstelle wird wiederum durch das visitierende Personal der Schmerztherapie geleistet.
Exemplarischer Wundverband eines Katheters an den Nervus Femoralis links (idealerweise wird auch hier der durchsichtige Folienverband mit Mefix geschient)
Im Rahmen täglichen postoperativen Schmerzvisiten wird die Qualität der Analgesie, die Ausbreitung und Einstellung der epidural-PCA durch die Pain Nurse oder den Dienstarzt Schmerztherapie kontrolliert. Weiter wird auch die Katheteraustrittsstelle inspiziert.
Epidurale Katheter wie auch Nervenkatheter werdennur durch Mitarbeiter der Schmerztherapie LUKS entfernt. Davon ausgenommen sind chirurgisch eingelegte Katheter am Beckenkamm oder intraartikulär.
Intraoperativ durch die Chirurgen eingelegte Katheter an Nerven wie z.B. am N. ischiadicus (Gefässchirurgie bei Amputationen) oder Intercostal (Herz-Thoraxchirurgie) werden, da es sich um Nervenkatheter handelt, ebenfalls von der Anästhesie erfasst und visitiert. Bei Unklarheit soll Kontakt mit dem Dienstarzt Schmerztherapie aufgenommen werden um zu klären, welche Pumpe an den Katheter installiert werden soll.
Die Reduktion der Dosis der epidural-PCA, Reduktion der Fragmin-Dosis sowie eine geplante Katheterentfernung wird der Pflege schriftlich, ev. auch mündlich kommuniziert. Laborkontrollen der Blutgerinnung vor Katheterentfernung sollen möglichst führmorgens abgenommen werden und falls nötig notfallmässig bestimmt werden. Die Laboranalyse sollte bei Beginn der akut-Schmerz-Visite um 0730 Uhr den Mitarbeitern der Schmerztherapie vorliegen.
Hinweise über den Umgang, die Programmierung und das Handling mit den epidural- und i.v.-PCAs geben das Team Aufwachraum LUKS sowie das Team Schmerztherapie LUKS sowie das Pflegehandbuch Chirurgie LUKS.
Medikamentöse Schmerztherapie in der Notfallstation
Zielsetzungen der Schmerztherapie im interdisziplinären Notfallzentrum
Die Richtlinien und SOP`S über die Schmerztherapie im Interdiziplinären Notfallzentrum (INZ) LUKS sind über die Internetplattform www.notfallstandards.ch abrufbar
Der Schmerz ist bei einem grossen Teil der Patienten auf dem chirurgischen Notfall das Leitsymptom, dass zur Vorstellung des Patienten geführt hat
Dementsprechend erwartet der Patient neben der Abklärung und Behandlung der Schmerzursache vordringlich eine möglichst rasche und effiziente Behandlung seiner Schmerzen (1)
Werden die Schmerzen nicht adäquat behandelt, wirkt sich dies negativ aus und zwar sowohl auf die Beurteilung der Behandlungsqualität wie auch auf die Zufriedenheit mit der Notfallbehandlung insgesamt
Die Furcht vor Nebenwirkungen der medikamentösen Schmerzbehandlung führt beim Patienten häufig zu einer primären Ablehnung der Analgesie (2), auch auf seiten der Ärzte bestehen noch immer Vorbehalte v.a. gegenüber einer Opiatanalgesie in der Meinung, diese würde die klinische Beurteilbarkeit des akuten Abdomens beeinträchtigen
Diese Ansicht wurde bereits mehrfach widerlegt (3,4)
Obwohl uns mit der Visual Analogue Scale (VAS) oder der Numeric Rating Scale (NRS) einfache und gut abgestützte Instrumente für die subjektive Beurteilung der Schmerzintensität durch die Patienten zur Verfügung stehen, ist der insuffiziente Analgetikagebrauch u.a. aus oben genannten Gründen noch immer weit verbreitet, zudem fehlt meist eine standardisierte Reevaluation nach initialisierter Analgesie (5)
Sollte die orale Schmerztherapie in der Regel dem WHO-Stufenschema folgen, so verbietet sich dieses Vorgehen zumeist bei den akuten und häufig intensiven Schmerzbildern auf dem chirurgischen Notfall
Hier sollten, in Abhängigkeit der subjektiven Schmerzintensität, rasch schnellwirksame i.v. Analgetika bis hin zu Morphin zur Anwendung kommen
In der Anwendung von Morphin hat sich ein schmerzadaptiertes Titrationsverfahren bewährt, dass einen risikoarmen Einsatz durch das Pflegepersonal oder sogar durch den Patienten selbst (PCA) zulässt (6,7)
Folgende Zielsetzungen lassen sich für die Analgesie bei Notfallpatienten formulieren:
Die Schmerzbehandlung bestimmt die Patientenzufriedenheit wesentlich mit: Eine suffiziente Analgesie muss ein fester Bestandteil im Behandlungsprozess sein
Die Behandlung starker Schmerzen muss rasch erfolgen: auch vor dem ersten Arztkontakt muss eine suffiziente Analgesie initiiert werden können.
Das subjektive Schmerzempfinden des Patienten ist ausschlaggebend: die subjektive Schmerzintensität wird mittels VAS gemessen und die Analgesie darauf abgestimmt. Der Therapieerfolg wird mit VAS nachgemessen.
Die Anwendung von Morphin ist in einem festen Protokoll effizient, sicher und behindert die Diagnostik nicht: Morphin soll bei starken Schmerzen möglichst rasch intravenös angewendet werden.
Literatur 1) Fosnocht DE et al.: Patient expectations for pain medication delivery. Am J Emerg Med: 19(5);2001 2) Singer AJ et al. Triage pain scores and the desire for and use of analgesics. Ann Emerg Med: 52(6); 2008 3) Thomas SH , Silen W. Effect on diagnostic efficiency of analgesia for undifferentiated abdominal pain, BJS:90;2003 4) Zoltie N, Cust MP. Analgesia in the acute abdomen. Ann Royal Coll Surg:68;1986 5) Todd KH et al. Pain in the emergency department: PEMI Multicenter Study. J Pain: 8(6); 2007 6) Chang A et al. Randomized clinical trial comparing a patient-driven titration protocol of i.v. hydromorphone with traditional physician-driven management of ED patients with acute severe pain. Ann Emerg Med:54(4);2009 7) Lvovschi V et al. Intravenous morphine titration to treat severe pain in the ED. Am J Emerg Med:26;2008)
Zuständigkeit für die Schmerztherapie im LUKS Luzern
Gültigkeit/Dauer von postoperativen Verordnungen
Die postoperative Schmerzmedikation wird durch die Anästhesie in der Regel bis zur nächsten ärztlichen Visite auf den Stationen verordnet
Die erforderlichen Anpassungen dieser Verordnungen erfolgen auf den Abteilungen in der Regel durch den Stationsarzt/-ärztin und deren Vorgesetzte
Idealerweise werden die Vorgaben (siehe Kapitel Konzept der medikamentösen, perioperativen, multimodalen Schmerztherapie und Konzept der perioperativen Schmerztherapie mit Methoden der Regionalanästhesie) im Sinne des multimodalen Therapiekonzeptes weiterverfolgt
Neben einer ausgebauten Basisanalgesie soll die Opiatmedikation als Reserve-oder Fixmedikation entsprechend grosszügig verordnet werden
Prinzip „hit hard and early“
Mit Verlassen des Aufwachraumes geht die Verantwortung von der Anästhesie an die Ärzte und Pflegenden der Abteilungen über.
Verordnung einer IV-PCA
Der Stationsarzt kann nach Rücksprache mit dem Dienstarzt Schmerztherapie (Tel intern 1510) oder der Pain Nurse (Tel intern 1432) bzw. dem Aufwachraum selbständig eine IV-PCA verordnen
Das Pflegepersonal ist im Umgang mit den IV-PCA-Pumpen geschult
Bei Problemen hilft das Team der Schmerztherapie selbstverständlich gerne weiter
Anmeldung Schmerzkonsil
Bei komplexen postoperativen Schmerzproblemen soll eine Absprache zwischen Pflegedienst, Stationsarzt und dem Dienstarzt Schmerztherapie stattfinden
Bei speziellen Fragestellungen und Problemen kann ein Schmerzkonsil angemeldet werden unter Verordnungen „Konsilien Anästhesie“
Dann in der Auswahl – “Konsil Schmerztherapie” wählen. Hilfreich ist ein Anruf auf den Dienstarztsucher stationäre Schmerztherapie Tel intern 1510 für die Anmeldung und Angabe der Patientendaten sowie Besprechung der Fragestellung. In dringenden Fällen kann die Anmeldung des Konsils im LUKIS auch nach der telefonischen Anmeldung (dann aber zwingend durch den zuständigen Arzt) eingefügt werden.
Visite von rückenmarksnahmen und peripheren Nervenkathetern
Nach Einlage eines Epiduralkatheters (epidural-PCA) oder eines kontinuierlichen Nervenkatheters wird die Analgesie durch die visitierende Pain Nurse oder den Dienstarzt Schmerztherapie mitkontrolliert und/oder weiterverordnet
Änderungen an der Schmerzmedikation insbesondere die Verordnung von Opiaten per oral sollen wenn immer nach Rücksprache mit dem Team der Schmerztherapie vorgenommen werden
Die Lösungen der epidural-PCA enthalten zu einem Grossteil Lokalanästhetika aber auch einen kleinen Opiatanteil
Wechsel von Bestecken an epidural-PCA
Gemäss Hygienerichtlinien soll das Besteck einer epidural-PCA alle 4 Tage gewechselt werden
Im Gegensatz zum Besteckwechsel an einer IV-PCA, welcher durch die Stationspflege selbständig durchgeführt werden kann, wird das Besteck der epidural-PCA durch das Team der Schmerztherapie gewechselt.
(Englisch: postoperative nausea and vomiting, kurz PONV) Übelkeit und Erbrechen nach einem operativen Eingriff wird von den Patienten als sehr unangenehm und belastend empfunden.
Medikation mit Opiaten (sowohl systemisch als auch epidural)
Weibliches Geschlecht
Nichtraucher
PONV i.R. früherer Eingriffe oder bekannte Reisekrankheit
Weitere Faktoren, welche Übelkeit und Erbrechen ebenfalls beeinflussen können
Entleerungsstörungen im Magen und Darm
Störungen des Innenohres
Blutdruckschwankungen mit schlechter Durchblutung des Hirnstammes und Reizung des Vagusnerven
Massnahmen
Im Wissen um die Häufigkeit von PONV (16-20%) werden perioperativ durch die Anästhesie sehr grosszügig Antiemetika appliziert, um das Risiko möglichst tief zu halten
Wechsel der Opiatmedikation auf ein anderes Opiat oder Beendigung der Opiatmedikation
Epidurale Medikation nur mit Bupivacain ohne Fentanyl oder Morphin nach Rücksprache mit dem Team der Schmerztherapie
Medikamentöse Therapie
Die perioperativ begonnene Medikation mit Navoban (Ondansetron) kann auch postoperativ weitergeführt werden
Paspertin (Metoclopramid) ist gegen PONV unwirksam
Pharmakodynamik der Analgetika
Je nach Operation, kann eine Schmerzbefreiung nur schon durch verschiedene Medikamente der WHO-Stufe 1 erreicht werden. Die Wirksamkeit dieser Medikamente wurde vielfach untersucht.
Erklärung der Tabelle
Die im rechten Teil der Tabelle aufgeführte Zahl „NNT“ bedeutet Number needed to treat
Wie zum Beispiel bei Ibuprofen 400mg 2.8 bedeutet, dass 2,8 Patienten Ibuprofen einnehmen müssen, damit ein Patient eine Schmerzlinderung von über 50% erfährt
Die anderen verspüren sicherlich auch eine Schmerzlinderung, wobei diese unter 50% liegt
Es zeigt sich also, dass Ibuprofen 400mg jenes Medikament ist, welches am wirksamsten eingesetzt werden kann und dies im Vergleich auch mit Morphin 10mg i.m. oder auch Tramadol 100mg
Ibuprofen ist in der NNT vergleichbar mit Diclofenac (Olfen/Voltaren)
Nicht zuletzt deshalb, weil man davon ausgeht, dass sich die Wirkung der verschiedenen Medikamente schlussendlich addieren, werden die Medikamente in der Basisanalgesie generell miteinander kombiniert.
Strategische Überlegungen in der praktischen Anwendung von Analgetika
Die grundlegende Strategie sieht vor, eine möglichst frühzeitige, optimale Schmerzlinderung zu erzielen mit einer individuell angepassten Dosis der verschiedenen Analgetika („hit hard and early)
Durch die frühzeitige, teilweise schon präoperativ begonnene Blockade von verschiedenen Systemen wie Ionen-Kanäle, Enzyme und Rezeptoren kommt es zu einer deutlich reduzierteren Stressantwort des Körpers mit reduzierter Ausschüttung diverser Substanzen
Dadurch kann erreicht werden, dass die Schmerzintensität für den Patienten subjektiv stets gering bis erträglich erscheint (< NRS 3) und sich zudem rascher eine Abnahme der Schmerzintensität einstellen wird
Weiter können durch diese Strategie unangenehme Nebenwirkungen vermieden und Medikamente und deren Kosten eingespart werden
So wie empfohlen wird, dass neben einer ausgebauten Basisanalgesie eine frühzeitige Opiattherapie (PCA/p.o./i.v.) eingesetzt werden soll
Bei mit nachlassender Schmerzintensität gemäss dem Stufenschema soll die Schmerztherapie wieder reduziert werden
Auch hier empfiehlt sich aber bei Sistierung einer fixen Opiatmedikation, eine Reservemedikation beizubehalten
Die individuelle Morphinkonzentration im Plasma für eine adäquate Schmerzlinderung kann leicht um den Faktor 10-30 variieren
Es bleibt notwendig den Äusserungen des Patienten mit Schmerzen > NRS 3 Glauben zu schenken
Dennoch müssen Boli entsprechend vorsichtig eintitriert werden
Insbesondere bei der rascheren Wirkung von i.v. Opiaten sollen in den Abteilungen 10-15min abgewartet werden, bis der nächste Bolus verabreicht
Schliesslich sollen dadurch nicht nur Nebenwirkungen, sondern auch eine Überdosierung vermieden werden
Untenstehend sind die im LUKS am häufigsten verwendeten Analgetika sowie Antiemetika aufgeführt
Die wichtigsten Angaben zu Indikation, Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen sind tabellarisch zusammengefasst
In Klammer sind die aktuellen Generika aufgeführt.
Pharmakologie der gebräuchlichsten Schmerzmedikamente und Antiemetika