DIEP (Deep inferior epigastric Perforator)
Eingriffsspezifische Besonderheiten
- Allzeit ausreichende Narkosetiefe und Relaxation intraoperativ da Mikrochirurgische Präparation und Anastomose keine unregelmässige Spontanatmung oder Husten/Pressen toleriert
- Anbringen von Bauchgurt in ausreichender Narkosetiefe
- Ende OP Lagerung in Patientenbett in Narkose (analog WS) und Ausleitung der Narkose in Beach-Chair Lagerung
Ablauf Präoperativ
Besonderheiten
- Verarbreichung von 500mg Dafalgan bei Eintritt
- Hormonelle Therapie 2 Wochen prä- und 2 Wochen postoperativ pausieren
- AWR Nacht anmelden (Lappenkontrolle)
Anästhesieeinleitung
- 2 Venenzugänge
- Arterienkatheter
- Kein ZVK standardmässig (Indikation restriktiv stellen)
- Bestimmung 2. Type & Screen, wenn Antikörper: 2 EC austesten lassen
- Bei Patienten mit präoperativ erfolgter Eisen/-EPO Infusion im Rahmen PBM: Blutbild, Ferritin, TSAT bestimmen
- Balancierte Anästhesie, Normovolämie, multimodale Analgesie, PONV– Prophylaxe
- Beachte kombinierte Wirkung: Opioide, Lidocain, Ketamin, Magnesium, Dexamethason, Dexmedetomidin, NSAR
- Allgemeinanästhesie primär mit Propofol/Remifentanyl TCI (Inhalativa zweite Wahl oder auf Verordnung OA/LA)
- BIS-Monitoring bei allen Patienten mit Ziel BIS 40-60
- CAVE: BIS Werte bei Co-Analgesie mit Ketamin erhöht
OP-Ablauf
- 2 Team Approach (1 Team präpariert die Anschlüsse am Thorax, das andere Team hebt den Lappen)
- Thorax: Zugang wenn möglich über vorbestehende Narbe und Präparation auf den 3./4. ICR
- Wenn möglich rip-sparing Darstellung der A. und V. mammaria
- Parallel dazu: Inzision in der Unterbauchfalte und Ablösen des Haut-/Fettlappens in Richtung Bauchnabel zu den zuvor gedoppelten Perforatoren
- Auswählen des kräftigsten Perforators nach ICG (Indocyaningrün) und danach Umschneidung des gesamten Lappens
- Sparsames Eröffnen der Rektusfaszie und und intramuskläres Freilegen des gesamten Gefässstiels bis zur Mündung in die Femoralgefässe
- Zuzug des Mikroskops und Durchführung der Gefässanastomosen
- Perfusionskontrolle mittels ICG (Indocyaningrün)
- Exzision der überschüssigen/ schlecht durchbluteten Anteile
- Einpassen des Lappens in den Defekt
- Aufsuchen des Dopplerpunktes und Markieren mit Prolene-Faden
- Wenn möglich parallel dazu Einknicken der Patientin
- Verschluss der Rektusfaszie
- Weitere Ablösung der Bauchdecke nach kranial dreieckig zulaufend im Sinne einer Abdominoplastik und Verschluss des Bauches im Sinne einer Extensionslappenplastik
- Topische Applikation von 1000mg Tranexamsäure
- Ausleiten und Einnähen des Nabels
- Prineoverband und Bauchgurt
Intraoperativ
Analgesie
- Ziel: multimodale Analgesie zur Opioidreduktion und Ileusprävention
- Lidocain-Perfusor 1% (max 100mg/h)
- NSAR intraoperativ (Ketorolac) als fester Bestandteil ERAS® Protokoll (Beachte Kontraindikationen: schwere vorbestehende Niereninsuffizienz etc.)
Co-Analgetika
- Magnesium 30mg/kg Kurzinfusion vor Hautschnitt
- Esketamin 25mg vor Hautschnitt
- Dexmedetomidin 0.5mcg/kg/h bis 30min vor Ausleitung (kein Initialbolus)
- Bei erhöhtem Opiatbedarf: Etablieren Esketamin Infusion (25mg/h) bis ca 45min vor Ausleitung
PONV-Prophylaxe
- Dexamethason 8mg und Ondansetron 4mg (erhalten alle Patientinnen unabhängig von Diabetes Mellitus, Tumorerkrankung)
Wärmehaushalt
- Körpertemperatur > 36°C (Normothermie)
- Bair Hugger
- Wärmematte (Cave: Lagerung)
- Kontinuierliche Temperaturmessung via ösophagealer Sonde
Flüssigkeitsmanagement
- Restriktives Management (z.B Gabe via Infusomat 1ml/kg/h)
- Restriktives Flüssigkeitsmanagement (insgesamt sind 1500-2000ml inkl. Kurzinfusionen in den ersten 24h perioperativ für den Grossteil der Patientinnen aufgrund verlängerter peroraler präoperativer Flüssigkeitszufuhr (s.o) ausreichend)
- Hypotensive Episoden kritisch im Hinblick auf Narkosetiefe evaluieren und diese nötigenfalls anpassen oder bei Bedarf mit einem Vasopressor behandeln
- Blutverluste bei DIEP ⌀ 300ml
- Eine iatrogene Hyperhydratation erhöht jedoch Risiko von postoperativen Komplikationen und verlängert die Hospitalisationsdauer!
Relaxation
- Intraoperative suffiziente Relaxation (Mikrochirurgische Arbeit)
- Spontanatmung der Patientin mit unregelmässigem Atemmuster, Pressen/Husten unbedingt vermeiden
Blutzucker
- Blutzucker Kontrolle intraoperativ und konsequente Behandlung mit Insulin s.c./i.v.
- Intraoperativ BZ 7.8 – 10 mmol/l anstreben (140-180mg/dl)
- Insulintherapie erst ab 10 mmol/l (SOP Blutzuckermanagement intraoperativ)
Intraoperative Besonderheiten
- Lange Operationszeit
- Lagerung der Patientin
- Verabreichung von ICG auf Aufforderung Operateur (siehe Klifairs.ch Indocyaningrün)
- Reduzierter Zugang zur Patientin (Zugänge/Monitoring)
- Hypothermierisiko!
- Kein Husten und Pressen bei Anastomosenaht
CAVE: Kein Husten und Pressen bei Extubation, in Narkose ins Bett umlagern (analog WS) und Beach Chair Lagerung für Extubation
Sign-Out
- Gemeinsame Verordnungsüberprüfung und Medikationsabgleich bei „Sign-Out“ am OP-Ende durch Operateur und Arzt Anästhesie
- CIBO-Surg (ClassIntra) Erfassung Arzt/Pflege und Operateur
- Abgleich der Dauermedikation, Antikoagulation und ERAS® Pathway-Verordnungen
- Suchtmittelentzug antizipieren
- Verordnen der Patienteneigenen Medikation bleibt weiterhin Aufgabe der Anästhesie
Postoperativ
- AWR Nacht
- Behandlung siehe ERAS®-Pathway
- Lagerung: Beach Chair und Mobilisation an den Bettrand
- Kostform: Die Patientinnen sollen im AWR ein leichtes Nachtessen oder Fresubin einnehmen