Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperation
Achtung: SOP Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperation, Abschnitte 7 und 8 betreffend frühpostoperativer Hypokalzämie und Kalzium-Substitution überarbeitet
Überarbeitung erfolgte anhand SOP Schilddrüsenzentrum
27. Januar 2026
Dr. med. Roland Steinmann
Oberarzt mbF Anästhesie , (Leiter Fachbereich HNO/MKG und NCH)

Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperation

Eingriffsspezifische Besonderheiten

  • Grundsätzlich Operation in euthyreoter Stoffwechsellage
  • Thorax oder CT präoperativ auf Einengung der Trachea beurteilen
  • Bei Engegefühl vor allem in Rückenlage ist eventuell eine wach fiberoptische Intubation indiziert
  • Auf Stridor achten (Recurrensparese?)
  • Falls Operation in Sternotomiebereitschaft: 2.VF, erweitertes Monitoring evaluieren
  • Als Komplikation kann eine thyreotoxische Krise auftreten (DD maligne Hyperthermie)

Präoperativ

  • Hg1, Q, TSH, fT3, Gesamt-Kalzium, PTH
  • Kein Type & Screen bei Standard-Thyroidektomie
  • Type & Screen (2 Bestimmungen) nur bei grosser intrathorakaler Struma
  • Sonographie, evtl. Thorax-Röntgen oder CT

Anästhesieverfahren

Keine NSAR  (Nachblutungsgefahr mit Verlegung der Atemwege)

Recurrensmonitoring

Die Elektrode wird immer mit einem 7.5 Spiralfedertubus verwendet
  • Bei kleineren Tuben muss eine kleinere Elektrode verwendet werden
  • Tubus vor dem Befestigen der Elektrode erst mit Äther vorreinigen
Kein Optilube Gel verwenden

                    

  • Die Folie der Elektrode entfernen
  • Der blaue Balken (siehe Pfeil) mittig zwischen die zwei schwarzen Tubusmarkierungen und der vertikale, durchsichtige Streifen zwischen den Elektroden mittig auf der Tubusschweissnaht anbringen

  • Als erstes die längere Lasche A ohne Falten um den Tubus kleben
  • Danach Lasche B ohne Falten um den Tubus kleben

 

Narkoseführung

  • Bei zu erwartender Intubationsschwiergikeiten (Stridor, ausgeprägte Einengung der Trachea, Struma per magna…) wach fiberoptische Intubation
  • Ansonsten Platzieren des Spiralfedertubus mit speziellen Stimulationslektroden
  • Oberer Strich der Elektrode muss auf Höhe der Stimmbänder liegen
  • Ableitung des Tubus nach seitlich und oben (Spezielle Strumafixation)
  • Optische Kontrolle der Elektrode durch Operateur (Laryngoskopie)
  • Mechanische Kontrolle durch Anästhesie/OPS: Durch klopfen auf den Larynx  ist auf dem Monitor ein Ausschlag erkennbar
  • Tiefe Narkose
  • Keine Nachrelaxation, da Verwendung des Neurosign®!!
  • Bei Extubation auf Stridor achten cave Recurrensparese

Intraoperative Laborbestimmung

Parathyreoidektomie

  • Blutentnahmen gemäss Verordnung des Schilddrüsenzentrums

  • EDTA-Monovette zur Parathormonbestimmung

  • Die PTH Bestimmung vor Schnitt darf mit der Rohrpost ins Labor gesendet werden
  • Die intraoperativen PTH Bestimmungen müssen sofort ins Labor gebracht weden (0 + 5 Minuten Entnahmen gemeinsam und 10 + 15 Minuten Entnahmen gemeinsam)
  • Die PTH Bestimmungen werden von der Lagerungspflege, OP-Springer oder falls Kapazität vorhanden von der Anästhesie (HNO und ZOP, nicht in der FKL)  ins Labor gebracht
  • Rechtzeitige Voranmeldung im Labor erfolgt vom HNO-OP-Team
Laboretiketten zusätzlich von Hand mit 0′ / 5′ / 10′ / 15′ beschriften. Jede Entnahme muss zwingend einzeln gescannt werden, damit korrekte Zeitstempel generiert werden.

Totale Thyreoidektomie beidseitig

  • Erste Parathormonbestimmung durch die Abteilung oder bei Anästhesie-Einleitung
  • Blutentnahme 10 Minuten nach Entfernung des Präparates
  • EDTA-Monovette zur Parathormonbestimmung
  • Bei Abgabe des Patienten: ins Labor senden via Rohrpost  

Kalzium-Substitution bei erniedrigtem, frühpostoperativen Parathormon

Parathormon Massnahme
PTH > 15 pg/mL Keine akuten Massnahmen notwendig
PTH 10 bis ≤ 15 pg/mL

engmaschige klinische Kontrolle

bei Hypokalzämie-Zeichen:

Kalcipos 500mg 4x/d und Calcitriol 0.25 μg 1-0-1

PTH < 10 pg/mL

fixes Schema per os:

Kalcipos 500mg 4x/d und Calcitriol 0.25 μg 1-0-1

engmaschige klinische Kontrolle

  • Blutentnahme bei allen beidseitigen Schilddrüsenoperationen; Verantwortlich für die Verordnung ist der Operateur, Blutabnahme durch Anästhesie
  • 1.postop.Tag: Gesamt-Kalzium und PTH
  • 2.postop.Tag: Blutentnahme nur bei klinischer oder laborchemischer Hypokalzämie am Vortag

Kalzium-Substitution bei symptomatischer Hypokalzämie

 
Zeichen der Hypokalzämie sind symmetrisch wahrgenommenes Kribbeln in den Fingern, Armen, Füssen und Beinen oder um den Mund, Muskelkrämpfe, unerklärliche Angstgefühle oder Atemnot. Positives Chvostek-Zeichen.

leichte Hypokalzämie

  • fixes Schema per os: Cholecalciferol / Vitamin D3 (Kalcipos) 500/800 mg 4x/d und Calcitriol (Rocaltrol) 0.25 μg 2x/d

schwere Hypokalzämie

  • 6 Ampullen Calcium-Gluconat 10% und 440 ml Glucose 5% mischen
  • Infusionsrate von 0.92 ml/kg/h entspricht Verabreichung von 1 mg/kg/h
  • Nach 4h Bestimmung des Serumkalziums und Entscheidung über weitere Therapie

bedrohliche Hypokalzämie

  • 2 Ampullen Calcium-Gluconat 10% als Kurzinfusion über 10-20 Minuten
  • gefolgt von i.v.-Therapie:
  • 6 Ampullen Calcium-Gluconat 10% und 440 ml Glucose 5% mischen
  • Infusionsrate von 0.92 ml/kg/h entspricht Verabreichung von 1 mg/kg/h
  • Nach 4h Bestimmung des Serumkalziums und Entscheidung über weitere Therapie
 
Angestrebt wird die Symptomfreiheit des Patienten und ein Serumkalziumwert knapp unterhalb der Norm (2.0 – 2.1 mmol / L). In jedem Fall ist eine Tetanie frühzeitig zu vermeiden.

 

Mitwirkende Autor/innen

Verantwortlicher Author
Dr. med. Roland Steinmann
Oberarzt mbF Anästhesie , (Leiter Fachbereich HNO/MKG und NCH)